Helmbrünne (Camail): Flexible Nacken- und Gesichtsschutzausrüstung

Eine Helmbrünne, auch Camail genannt, ist eine flexible Schutzschicht aus Kettenpanzer, die an der Unterseite eines Helms befestigt wurde. Der Panzer hing wie ein Vorhang nach unten und schützte mindestens den Nacken, aber oft auch die Kehle, Schultern und manchmal sogar einen Teil des Gesichts.


Bei manchen Helmen wurde ein Ventail hinzugefügt: eine lose Klappe aus Kettenringen bei der Mundöffnung, die zusammengebunden oder gehakt werden konnte, um die Unterseite des Gesichts zu schließen. Diese konnte auch locker hängen gelassen werden, was dem Träger das Atmen oder Sprechen erleichterte.


Schwedischer König aus der Vendelzeit mit verziertem Vendelhelm

Früh- und Hochmittelalter


Helmbrünnen erschienen bereits sehr früh in Europa. Die Verwendung geht auf das 6. Jahrhundert zurück, während der Vendel-Zeit in Skandinavien. Ein bekanntes Beispiel ist der Valsgärde 8-Helm, datiert zwischen 580 und 630 n.Chr., bei dem die Helmbrünne den unteren Teil des Gesichts, die Kehle und den Nacken vollständig umschloss.


Etwa zur gleichen Zeit entwickelte sich in England eine andere Form, wie auf dem Coppergate-Helm aus York (ca. 750–800 n.Chr.) zu sehen ist. Dieser Helm verwendete eine Kombination aus hängenden Wangenplatten und einem separaten Kettenpanzerstreifen zum Schutz des Nackens. Es ist wahrscheinlich, dass solche gemischten Konstruktionen bereits im 7. Jahrhundert bei angelsächsischen Eliten verbreitet waren.


Auch im Byzantinischen Reich erschienen Helmbrünnen. Ein wichtiger Fund dafür ist ein Helm aus Yasenovo in Bulgarien, datiert ins 10. Jahrhundert, der eine runde Form hatte und ein Stirnband mit Löchern zum Befestigen eines Camails aufwies.


Dies deutet auf einen erkennbaren byzantinischen Stil hin. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde die vollständig geschlossene Helmbrünne, wie bei den Vendel-Helmen, immer gebräuchlicher. Bei einigen Helmen war der Kettenpanzer direkt mit einer Gesichtsmaske oder einem Nasalhelm verbunden, wie bei verschiedenen Helmen der Kiewer Rus.


Andere Helme ließen die Helmbrünne locker vor dem Gesicht hängen, als würde eine Metallschleier davor hängen. In solchen Fällen wurde oft eine weiche Innenfütterung verwendet, um Scheuerstellen zu vermeiden und Schläge besser abzufedern.


Vollständige archäologische Funde aus dieser Zeit sind selten; normalerweise bleiben nur die Löcher übrig, an denen die Helmbrünne befestigt war.

Irischer Galloglass-Krieger mit Sparth-Axt und Bascinethelm

Spätmittelalter


Im Frühmittelalter war ein Camail oft direkt an den Helm genietet. Ab den 1320er Jahren änderte sich dies in Westeuropa. Dann begann man, abnehmbare Camails zu verwenden, wobei der Kettenpanzer-Kragen zuerst an einem Lederband befestigt wurde.


Dieses Band wurde dann über kleine Metallstifte mit Löchern, die sogenannten Vervelles, gelegt. Durch diese Vervelles wurde ein mit Wachs behandelter Faden gezogen, wodurch der Camail fest am Helm befestigt wurde, aber trotzdem losgmacht werden konnte, wenn nötig.

14. Jahrhundert Milizkrieger mit Coat of Plates und Voulge Polearm

Während des 14. Jahrhunderts wurden Camails vor allem in Kombination mit dem beliebten Bascinet verwendet. In dieser Zeit wurde der Camail so verbreitet, dass er die traditionelle Kettenhaube vollständig ersetzte.


Viele Exemplare aus dieser Zeit waren mit Rand aus Messing oder Bronze verziert, manchmal vergoldet, oder hatten einen charakteristischen Zickzackrand, der im 14. Jahrhundert beliebt war. Gegen Mitte dieses Jahrhunderts war der Camail der Standard-Schutz für Nacken und Kehle im Kampf.


Anfang des 15. Jahrhunderts begann der Camail jedoch zu verschwinden. Neue Helmtypen, wie der Great Bascinet und der Armet, bekamen eine Stahlnackenschutzplatte, den Gorget, der besser zum sich ständig verbesseran Plattenpanzer passte. Unter dem Gorget wurde weiterhin ein Kettenpanzer-Kragen getragen, die Kettenpanzer Standard oder Bischofsmütze. Diese Entwicklung machte den flexiblen Camail weniger notwendig. Letztendlich wurde er vollständig durch festen Plattenpanzerschutz verdrängt und verschwand aus der militärischen Ausrüstung europäischer Krieger.


Interne Links

Quellen:

  • Museumsammlung: Die Sammlung der Harnaschkammer auf Schloss Churburg (Italien), mit Bascinets aus dem 14. Jahrhundert, die ihre originalen Lederbänder und eisernen Helmbrünnen noch haben.

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