Coat of Plates: Mittelalterliche Segmentplattenpanzerung für den Rumpf

Ein Coat of Plates ist eine Art Rüstung für den Rumpf, die aus mehreren überlappenden Metallplaten besteht. Diese Platten sind an der Innenseite mit Nägeln in einer Jacke aus Stoff oder Leder befestigt. Diese Art von Rüstung gehört zur Periode der Übergansrüstung: die Zeit, in der man vom Kettenhemd zu harten Metallplatten wechselte. Ein Coat of Plates wurde normalerweise als Teil der vollständigen Ausrüstung eines Ritters getragen.

Die Rüstung erschien in Europa um 1180–1220, wurde ab den 1250er Jahren allgemein verwendet und war bis in die 1290er Jahre sehr beliebt. Um 1350 trugen auch Fußsoldaten sie, wie die Visby-Miliz.


Nach etwa 1340 wurden die Platten auf der Brust zur ersten echten Brustplatte zusammengefügt, wodurch der Coat of Plates langsam verschwand. Nach 1370 bedeckte die Brustplatte den gesamten Rumpf bis zum Nabel und darunter.


Verschiedene Arten von Coat of Plates bestanden in Form der Brigantine und des späteren Jack of Plates bis ins späte 16. Jahrhundert weiter.

Wie der Coat of Plates aufgebaut ist


Die Anzahl der Metallplatten konnte stark variieren: von 8 bis zu 600, je nach Größe. Die Platten überlappen sich, sodass der Rumpf vollständig geschützt bleibt, auch während der Bewegung oder im Kampf.


Der Coat of Plates ähnelt anderen Rüstungstypen wie Lamellenrüstung, Schuppenpanzer und der Brigantine, aber der große Unterschied ist, dass bei einem Coat of Plates die Platten immer an der Innenseite sitzen.


Eine Brigantine ähnelt ihr, hat aber normalerweise viel kleinere Platten. Manchmal ist der Unterschied schwer zu erkennen.


Forscher wie Mathias Goll argumentieren, dass diese Art von Rüstung eigentlich eine Form von Segmentrüstung ist (mehrere Teile, die zusammen ein flexibles Ganzes bilden), und zwar insbesondere die Kategorie:


"Segmentrüstung für den Rumpf – Vorder- und Rückseite".

Beispiele: der heilige Mauritius und Visby


Ein bekanntes frühes Beispiel ist die Rüstung des heiligen Mauritius aus etwa 1250. Goll denkt, dass die Datierung möglicherweise etwas später sein sollte, in Richtung frühen 14. Jahrhundert.


Er beschreibt, dass die Rückenplatten wahrscheinlich aus vertikalen Streifen bestanden, die unter Leder oder Stoff saßen und mit horizontalen Nagellöchern befestigt waren.


Eine der wichtigsten Quellen für das Studium von Coats of Plates sind die Massengräber der Schlacht von Visby (1361).


Dort fand man viele Rüstungen mit zwischen 8 und 600 Platten.


Insgesamt wurden 24 verschiedene Modelle von Coat of Plates entdeckt. Einige waren ältere Typen, die einer Art gepanzertem Überkleid ähnelten (ein Übergewand mit Platten an der Innenseite).


Frühe Formen: Übergewänder mit Platten


Frühe Coats of Plates hatten manchmal lange Stoffstücke, die vorne und hinten herunterhingen, wie bei der Rüstung des heiligen Mauritius.


Man vermutet, dass dies eigentlich Übergewänder mit Metallplatten an der Innenseite waren.


Es ist unklar, ob sich diese Platten überlappten, aber vieles ähnelte einem Coat of Plates.


Trotzdem zeigen die meisten erhaltenen Beispiele aus dem 14. und 15. Jahrhundert, dass die Platten sich tatsächlich überlappen. Beispiele ohne Überlappung existieren, sind aber selten.


Entwicklung durch Krieg und Reiter


Diese Rüstung wurde beliebt, weil Ritter besseren Schutz gegen Speer- und Lanzenangriffe während Kämpfen zu Pferd brauchten.


Ein gewöhnliches Kettenhemd mit einer gepolsterten Jacke (Gambeson) bot dafür oft nicht genug Schutz.


Der Coat of Plates bot Schutz gegen Lanzenangriffe mit hoher Geschwindigkeit durch eine Kombination aus der weichen Gambeson, zähem Kettenhemd und Plattenpanzer, dem Coat of Plates.


Frühe Erwähnungen in Quellen


Der früheste Beweis für Metallbrustverstärkungen stammt von Guillaume le Breton.


Er beschreibt, dass Richard I. 1188 eine eiserne Platte ("ferro fabricata patena") während eines Stechspiels trug. Sie saß unter dem Kettenhemd, weshalb sie unsichtbar war.


Auch andere Quellen von etwa 1220 erwähnen solch eine eiserne Platte "auf der Brust", getragen unter der Rüstung.


Dies erklärt, warum solche Rüstungen in alten Zeichnungen oder Skulpturen vor dem Ende des 13. Jahrhunderts fast nie sichtbar sind.


Mittelalterliche Verbreitung


Mitte des 13. Jahrhunderts erscheint dieser Rüstungstyp in Kunst aus Deutschland.


Deutsche Ritter trugen Coats of Plates in den Schlachten von Benevento (1266) und Tagliacozzo (1268). Sie waren fast unverwundbar für französische Schwertangriffe, bis die Franzosen entdeckten, dass ihre Achseln schlecht geschützt waren.


Skandinavische Quellen nennen die Rüstung ab etwa 1250 "Briost Bjorg" ("Brustschutz") und sagen, dass sie von der Brustwarzenline bis zum Gürtel reichen sollte (also grob bis zum Nabel).


In anderen Quellen wird sie "Plata" genannt und war ausschließlich den höchsten Rängen erlaubt.


In Barcelona wurden Coats of Plates ab 1257 hergestellt, und 1308 bestellte König Jakob II. welche für sich und seine Söhne, bedeckt mit reich gefärbtem Stoff.


Übergang zur Plattenpanzerung


Mit der Zeit wurde Segmentrüstung durch größere, besser geformte Platten ersetzt.


Aber Segmentrüstung blieb beliebt, weil sie leichter, flexibler und billiger war und weniger Handwerkskunst erforderte.


1295 trugen fast alle französischen Ritter einen Coat of Plates zusammen mit ihrem Kettenhemd.


Ein Händler brachte dasselbe Jahr über 5.000 Coats of Plates nach Brügge zum Verkauf.


1316 wurden die Rüstungen des gefangenen walisischen Edelmanns Llywelyn Bren als "Buckram Armour" beschrieben, eine Art Coat of Plates.


In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts war die Rüstung billig genug für gewöhnliche Soldaten, wie die Miliz von Gotland und Paris.


Quellen:

  • Archäologischer Fund (Absolute Topquelle): Die Massengräber der Schlacht von Visby (1361, Gotland, Schweden). Hier wurden mehr als 20 einzigartige Coats of Plates im Boden gefunden.

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