Einführung: Die Jastorf-Kultur

Die germanischen Völker waren Stammesgruppen, die in der Klassischen Antike und dem frühen Mittelalter in Nordeuropa lebten. In der modernen Wissenschaft werden hier sowohl die Bewohner Germaniens als auch alle germanischsprachigen Völker aus dieser Zeit verstanden. Dieser Blog konzentriert sich auf die Germanen, die bis etwa zum 1. Jahrhundert n.Chr. im Gebiet des 'Großgermaniens' lebten.

Archäologische Einteilung

Die germanische Eisenzeit ist in drei Perioden unterteilt: die Vor-römische Eisenzeit (500 - 100 v.Chr.). Die römische Eisenzeit (0 – 375 n.Chr.) und die Germanische Eisenzeit (375 – 800 n.Chr.)

Dieser Blog konzentriert sich auf die Vor-römische und römische Eisenzeit. Siehe unseren anderen Blog über die germanische Eisenzeit und Migrationperiode.

Archäologische Kulturen & Migrationen

In der Archäologie sprechen wir von vielen verschiedenen Kulturen. Manchmal überlappen diese mit ethnischen Kulturen, aber oft auch nicht. Gleichzeitig muss der Übergang zwischen Kulturen nuanciert betrachtet werden. In vielen Fällen erlebte man einfach eine Änderung der Gewohnheiten. Siehe diesen Artikel für mehr Informationen über archäologische und ethnische Kulturen.

Der Ursprung der germanischen Völker

Die germanischen Sprachen gehören zur indogermanischen Sprachfamilie. Nach Ansicht von Wissenschaftlern entstanden diese Sprachen durch die Ausbreitung indogermanischer Sprachen in der Kupferzeit, ausgehend von der pontisch-kaspischen Steppe um 3.500 v.Chr. Dies geschah über Mischkulturen wie die Schnurkeramikkultur, die sich in Richtung des heutigen Dänemarks ausbreitete, wo sie in der Trichterrandbecherkultur aufging. Diese kulturelle Vermischung führte schließlich zur Nordischen Bronzezeit (2000–500 v.Chr.), die als die Zeit gilt, in der der Vorläufer der germanischen Sprachen entstand.

Um 500 v.Chr. können wir zum ersten Mal von "germanischen Völkern" sprechen, basierend auf archäologischen und sprachlichen Spuren. Ihr Ursprung wird durch die Jastorf-Kultur gekennzeichnet, eine archäologische Kultur im heutigen Deutschland und Polen. Einige Wissenschaftler deuten jedoch darauf hin, dass germanische Völker auch anderswo entstanden sind, zum Beispiel in Jütland und Südskandinavia, was auf mehrere Ursprünge hindeutet.

Die Nordische Eisenzeit

Eisen wurde bereits ab 1300 v.Chr. im Mittelmeerraum verwendet, aber in Nordeuropa erst ab 500 v.Chr. weit verbreitet. Durch den Zusammenbruch des Handels am Ende der Bronzezeit wurde Bronze knapp. Als Ersatz begann man, Eisen aus Mooren zu gewinnen. Dies entstand durch den Kontakt mit der keltischen Hallstatt-Kultur aus Mitteleuropa, wobei Wissen und Technologie über ein großes Gebiet hinweg geteilt wurden. Die Hallstatt-Kultur entstand aus der Urnenfelderkultur der späten Bronzezeit (1.200 v.Chr.). Die 3. Phase der Hallstatt-Kultur markierte den Beginn der Frühen Eisenzeit in Mitteleuropa (800-600 v.Chr.). Diese wurde später durch die keltische La-Tène-Kultur (450 v.Chr.–100 v.Chr.) abgelöst. Die nördlichen Eisenzeitkulturen wurden wahrscheinlich von germanischsprachigen Menschen getragen.

Jastorfkultur

La-Tène-Einflüsse

Bestattungsrituale wie Feuerbestattung und Urnenbegräbnisse setzten Traditionen der Bronzezeit fort. Einflüsse der mitteleuropäischen La-Tène-Kultur erreichten Skandinavien, was zu Funden wie Schwertern, Speerspitzen, Schmuck und Kesseln führte, darunter der berühmte Gundestrup-Kessel und die Dejbjerg-Wagen.

Die Jastorf-Kultur war eine Eisenzeitkultur im heutigen Deutschland, die sich bis nach Jütland im Norden und Polen im Osten erstreckte. Diese Kultur existierte zwischen 600 - 100 v.Chr. und bildete den südlichen Teil der Vor-römischen Eisenzeit. Es wird debattiert, ob diese Ausbreitung eine kriegerische Migration oder eine friedliche kulturelle Ausbreitung war. In den Niederlanden wird angenommen, dass Innovationen der Eisenzeit aus lokalen Entwicklungen und gegenseitiger Beeinflussung stammen. Auch in dieser Zeit überbrückten Händler lange Strecken, und die verschiedenen mittel- und nordeuropäischen Kulturen der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit teilen viele kulturelle und religiöse Ähnlichkeiten.

Die Kultur ist nach einem archäologischen Fundort in der Nähe des Dorfes Jastorf in Niedersachsen benannt. Sie zeichnete sich durch die Verwendung von Feuerbestattungen in großen Urnenfeldern aus und stand stark unter dem Einfluss der Nordischen Bronzezeit. Die materielle Kultur zeigt eine Vermischung von Traditionen, in der die Nordische Bronzezeit einen klaren Stempel behielt, auch wenn Einflüsse aus der keltischen Hallstatt-Kultur im Süden kamen.

Im Süden grenzte die Jastorf-Kultur an die Hallstatt-Kultur, während im Norden Ähnlichkeiten mit den späteren Phasen der Nordischen Bronzezeit sichtbar waren. Gräberfelder in Gebieten wie Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Westpommern, Brandenburg und Niedersachsen zeigen eine Kontinuität der Besiedlung von der Bronzezeit bis tief in die Jastorf-Periode und darüber hinaus. Obwohl Archäologen sehen, dass keltische und lokale Traditionen sich gegenseitig beeinflussen, ist noch nicht vollständig klar, wie diese Interaktionen genau abliefen.

Erweiterung des Gebietes

Anfangs war die Jastorf-Kultur auf Nord-Niedersachsen und Schleswig-Holstein beschränkt. Um 500 v.Chr. begann sie sich jedoch nach Süden und Westen auszubreiten, bis zum Harz, Thüringen, Nieder-Schlesien und der Rheinland. Diese Expansion wurde durch den früheren Abzug oder die Entvölkerung dieser Gebiete ermöglicht, da Gruppen der Hallstatt-Kultur, oft als keltisch oder belgisch identifiziert, in andere Teile Europas zogen, darunter den Mittelmeerraum und das atlantische Europa. Diese Migration wurde wahrscheinlich durch Klimaveränderungen angetrieben. Nordeuropa wurde kälter und nasser, wodurch Ernten ausfielen.

Blütezeit der Jastorf-Kultur

In ihrer Blütezeit konzentrierte sich das Kerngebiet der Jastorf-Kultur auf Nord-Niedersachsen (die Lüneburger Heide und die untere Elbe). Dieses Gebiet stand im Gegensatz zur sogenannten Nienburg-Gruppe (oder Harpstedt-Nienburg-Gruppe) im Westen, entlang der Aller und des Mittellaufs der Weser. Die Nienburg-Gruppe zeigte mehr Ähnlichkeiten mit keltischen Kulturen und hatte deutliche Kontakte mit den Hallstatt- und La-Tène-Kulturen. Zerstreute Funde der Jastorf-Kultur wurden auch in Gebieten wie Berlin und Mecklenburg-Vorpommern entdeckt.

Jastorfkultur, eine germanisch-keltische Mischkultur

Die Jastorf-Kultur spiegelt eine einzigartige Periode wider, in der Einflüsse aus der Nordischen und keltischen Welt zusammenkamen. Sie markiert eine Übergangszeit, in der lokale Gemeinschaften in Nordeuropa ihre eigene Identität entwickelten, während sie gleichzeitig Kontakte zu weiter südlich gelegenen Kulturen pflegten. Dies macht die Jastorf-Kultur zu einem wichtigen Thema für die archäologische Forschung zur frühen germanischen Geschichte.

Die meisten Funde der Jastorf-Kultur stammen aus Grabhügeln, flachen Gräbern und sogenannten Brand Gruben Gräbern (Kremationgruben). Bemerkenswert ist, dass Grabbeigaben selten und bescheiden sind, und dass die Waffenopfer, die für Gräber aus der Migrationperiode charakteristisch sind, vollständig fehlen.

Jastorfkultur

Südliche Ausbreitung und Bevölkerungsbewegungen

Die südlichste Ausbreitung germanischer Kulturen außerhalb des Jastorf-Gebietes wird erst am Ende der Vor-römischen Eisenzeit sichtbar. Dies zeigt sich unter anderem in der geringen Anzahl von Spät-La-Tène-Armbändern, die in Thüringen und nordöstlich von Hessen gefunden wurden. Diese Funde deuten möglicherweise auf Bevölkerungsbewegungen aus der Elbe/Saale-Region über das Main-Frankenland bis zu den Alpenrändern hin. Diese Migrationen scheinen durch die Entstehung der Przeworsk-Kultur beeinflusst worden zu sein.

Ein weiterer Faktor, der die Ausbreitung der Jastorf-Kultur gefördert haben könnte, ist das demografische Vakuum, das sich in Süddeutschland um den Oberlauf der Donau und des Rheins bildete. Ab 400 v.Chr. zogen keltische Gruppen, die zuvor in dieser Region lebten, in reichere Gebiete in Gallien, Spanien, Pannonien und Norditalien. Dieser Bevölkerungsabfluss schuf Raum für neue Gemeinschaften, einschließlich derer der Jastorf-Kultur, um sich im Süden anzusiedeln.

In der späten Phase entstanden turbulente Zeiten, wie die Invasionen der Teutonen und Kimbern, die in ihrer Niederlage bei Aquae Sextiae (102 v.Chr.) gipfelten. Befestigte Siedlungen aus dieser Zeit sind unter anderem Borremose (Dänemark) und Atuatuca (Belgien).

Die ersten Kontakte mit den Römern

Die ersten germanischen Völker, die in historischen Quellen

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