Schnelle Fakten über den Clipeus
Form: Oval bis rund, meist flach oder leicht gewölbt.
Benutzer: Anfangs Hilfstruppen (auxilia) und Kavallerie; später das Standard-Infanterieschild.
Abmessungen: Variierend von 90 cm bis zu 130 cm hoch.
- Konstruktion: Vertikal verleimte Holzbretter, mit Leder oder Leinen bezogen und einem Metallschildbuckel (umbo).

Einführung
Obwohl der rechteckige scutum das ikonischste Bild des römischen Legionärs ist, war der clipeus das wahre Arbeitstier des Römischen Reiches. Dieser ovale Rundschild bot eine einzigartige Kombination aus Schutz und Beweglichkeit. Ab dem 1. Jahrhundert v.Chr. ersetzte er allmählich andere Schildformen, um im späten 3. Jahrhundert n.Chr. zum dominanten Schild der gesamten römischen Armee zu werden.
Terminologie: Was ist ein Rundschild?
In antiken Texten werden Begriffe für Schilde oft durcheinander verwendet. Dennoch machen moderne Historiker einen klaren Unterschied:
Parma: Ein kleiner, vollständig runder Schild, später hauptsächlich zeremonial oder für Fahnenträger.
Aspis (Hoplon): Der schwere, tiefgewölbte griechische Schild.
- Clipeus: Der funktionale, ovale Schild der römischen Hilfstruppen und Kavallerie.
Ursprung und Entwicklung
Der clipeus fand seinen Weg ins römische Arsenal während der Gallischen Kriege des Julius Caesar. Die Römer übernahmen diesen Schildtyp wahrscheinlich von den Kelten. Als Kaiser Augustus die auxilia (Hilfstruppen) formalisierte, wurde der clipeus deren Standardausrüstung. Da die Kavallerie in dieser Zeit fast vollständig aus Hilfstruppen bestand, wurde der clipeus das Gesicht des römischen Reiters.

Der Clipeus als Reiterschild
Für einen Reiter bot der clipeus einzigartige Vorteile. Dank der beträchtlichen Höhe (oft zwischen 110 und 125 cm) wurde der Reiter von Kinn bis Knöchel geschützt.
Taktik und Kontrolle
Nach dem Schriftsteller Arrianus konnten Reiter mit ihren clipei sogar eine "Schildmauer" gegen Pfeile bilden. Ein vieldiskutierter Punkt ist, wie Reiter ihre Schilde in Kombination mit den Zügeln handhaben konnten. Obwohl einige Theorien von vertikalen Griffen sprechen, zeigen Grabsteine, dass geübte Reiter ihr Pferd oft mit den Beinen steuern konnten, wodurch die linke Hand für den aktiven Einsatz des Schilds frei blieb.
Konstruktion und Archäologie
Dank spektakulärer Funde in Dura-Europos (Syrien) und dem niederländischen Valkenburg wissen wir genau, wie ein clipeus hergestellt wurde:
Kern: Dünne verleimte Bretter aus Pappelholz.
Bezug: Auf beiden Seiten mit Leder oder Leinen beklebt, oft farbenfroh mit Einheitsabzeichen bemalt.
Ränder: Verstärkt mit genähter grober Tierhaut oder Messing. Grobe Haut hatte den Vorteil, dass sie beim Trocknen schrumpfte, was dem Schild zusätzliche Festigkeit gab, ohne viel Gewicht hinzuzufügen.
Umbo: In der Mitte saß ein Metallschildbuckel, der den Griff schützte. Beim clipeus war die Basis dieses Buckels meist rund.

Schutz außerhalb des Gefechts: Das Tegimentum
Ein Schild war ein kostbares Gut. Um das Holz und das bemalte Leder vor Regen und Sonne zu schützen, wurde es außerhalb des Gefechts in einer tegimentum (Schildhülle) aufbewahrt.
In Valkenburg wurden Hüllen aus Ziegenleder gefunden, die zeigen, dass Schilde in verschiedenen Größen existierten (z.B. 120 x 57 cm für Infanterie und 92 x 46 cm für Kavallerie).
Diese Hüllen waren manchmal mit einer tabula ansata ausgestattet, ein Textschild mit dem Namen der Einheit.

Der Clipeus in Kunst und Religion
Neben militärischem Gebrauch hatte der clipeus eine zeremonielle Rolle:
Imago Clipeata: Plinius der Ältere beschreibt, wie Porträts von Vorfahren auf Schilde gemalt und in Tempeln aufgehängt wurden.
Clipeus Virtutis: Das "Schild der Tapferkeit", das der Senat dem Augustus als Tribut an seine Tugenden schenkte.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
War der clipeus schwerer als der scutum?
Eine Rekonstruktion eines clipeus aus Doncaster wog etwa 9 kg. Dies ist vergleichbar mit den schweren Infanterieschilden der Republik. Obwohl groß, sorgte die Konstruktion aus Pappelholz für ein handhabbares Gewicht.
Wie trugen Reiter ihren Schild auf dem Marsch?
Nach Flavius Josephus wurden die Schilde während langer Märsche oft am Sattel befestigt, so dass sie an der Seite des Pferdes hingen und den Reiter nicht ermüdeten.
Zusammenfassung
Der clipeus ersetzte den scutum als das primäre Schild der römischen Armee in der späten Antike.
Es bot ausgezeichneten Schutz für sowohl Infanterie als auch Kavallerie.
Die Konstruktion mit grober Haut und Pappelholz war eine technische Meisterleistung römischer Ingenieure.
- Archäologische Funde in Valkenburg und Dura-Europos bestätigen die enorme Vielfalt und Verbreitung dieses Schildtyps.
Interne Links
Der Römische Scutum: Das unverzichtbare Schild der Legion
Die Parma: Das römische Rundschild der Velites und Kavallerie
Spatha Leitfaden: Das römische Kavallerieschwert und seine Entwicklung
Die römische Kavallerie: Adaptive Kraft auf dem Schlachtfeld