Wolle spinnen in der Römischen Zeit: Frauen und Handwerk

Schnelle Fakten zum Römischen Spinnen

  • Hauptakteure: Nahezu ausschließlich Frauen (von Sklavinnen bis zur Elite).

  • Werkzeuge: Spinnrocken (colus), Spindel (fusus) und Spinnwirtel.

  • Materialien: Hauptsächlich Schafwolle, aber auch Leinen, Hanf und Ziegenhaar.

  • Symbolik: Zeichen der Tugend (lanificium); verbunden mit den Schicksalsgöttinnen (Moiren).


Römisches Wollspinnen

Einleitung: Die Spindel als Symbol der Tugend


In der römischen Welt war das Spinnen von Wolle (lanificium) das Merkmal der idealen Frau. Es stand für Hingabe, Häuslichkeit und Sittsamkeit. Selbst die mächtigsten römischen Matronae beaufsichtigten das Spinnen in ihren Haushalten. Diese Bedeutung begleitete Frauen bis ins Grab: Archäologen finden regelmäßig elegante Spinnrocken aus Bernstein oder Jet als Grabbeigaben, ein Tribut an ihr Lebenswerk.


Der Produktionsprozess: Wer tat was?


Obwohl der endgültige Faden von Frauenhänden geformt wurde, war die Textilproduktion eine gemeinsame Anstrengung:

  • Männer: Verantwortlich für die schwere Vorbereitung. Die Wolle wurde gewaschen (manchmal unter Beibehaltung von Lanolin für Wasserdichtigkeit), gefärbt und gekämmt, um die Fasern zu glätten.

  • Frauen: Das eigentliche Spinnen. In kommerziellen Werkstätten, wie der von M. Terentius Eudoxus in Pompeji, arbeiteten oft elf Frauen als Spinnerinnen, um sieben männliche Weber mit genug Faden zu versorgen.


Die Technik: Von der Flocke zum Faden


Das Spinnen war ein sorgfältiges Handwerk, bei dem die Spindel verwendet wurde.

  1. Die Vorbereitung: Saubere Wolle wurde zu einem weichen Strang (Flocke) gerollt und um den Spinnrocken gewickelt, einen Stock von etwa 30 cm.

  2. Das Spinnen: Die Spinnerin zog die Wolle aus der Flocke und drehte sie gleichzeitig fest.

  3. Die Spindel: Ein beschwerteter Holzstab (die Spindel) wurde im Kreis geschleudert. Der Spinnwirtel—ein Scheibchen aus Ton oder Stein—sorgte für einen Schwungradeffekt, wodurch die Spindel länger drehte und der Faden gleichmäßiger gezwirnt wurde.


Wirtschaft: Akkordarbeit und Qualität


Spinnen war zeitaufwändig. In Judäa wurde von einer Frau erwartet, dass sie wöchentlich etwa 70 bis 140 Gramm Faden für ihren Lebensunterhalt produzierte.

  • Pensum: Sklaven erhielten eine feste tägliche Wollmenge (pensum), die gesponnen werden musste.

  • Qualität: Es gab einen enormen Unterschied im Wert. Feiner Leinenfaden von höchster Qualität konnte bis zu 1200 Denare pro Pfund einbringen, während grober Faden für Sklavinkleidung nur einen Bruchteil davon kostete.


Die rituelle und mythologische Bedeutung

Das Spinnen war tief verwurzelt in der römischen Religion und dem Schicksal. Im Atrium, dem zentralen Raum des Hauses, stand der Webstuhl unter der Öffnung im Dach (compluvium). So fand die Arbeit unter dem wachsamen Auge des Jupiter statt.

Die drei Schicksalsgöttinnen (Parcae)


Die Römer sahen das menschliche Leben als einen Faden, der von den Schicksalsgöttinnen gesponnen wurde:

  1. Klotho: Die Spinnerin, die den Lebensfaden beginnt.

  2. Lachesis: Die Zumesserin, die die Länge des Fadens (das Leben) misst.

  3. Atropos: Die Unausweichliche, die den Faden bei der Tod durchschneidet.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum durften Frauen nicht spinnen, während sie auf der Straße gingen?


Nach dem Schriftsteller Plinius durften Frauen auf dem Land nicht spinnen, während sie auf der Straße gingen. Man glaubte, dass die drehende Bewegung der Spindel einen negativen magischen Einfluss auf das Wachstum der Feldfrüchte hatte; eine Art „Verknotung" der Ernte.

Wurden auch andere Materialien als Wolle gesponnen?


Sicher. Neben Wolle war Leinen (Flachs) sehr beliebt. Dies wurde oft nass gesponnen für einen glatteren Faden. Auch Hanf für Seilwerk und Haare von Ziegen oder Kamelen wurden für spezifische Anwendungen verwendet.

Was war die Funktion des Korbes auf Grabsteinen?


Der Wollkorb (calathus) stand für den Fleiß der Frau. Es war ein wesentlicher Bestandteil ihrer Ausrüstung und wurde auf Grabsteinen dargestellt, um ihren Status als gute Hausfrau zu bestätigen.


Zusammenfassung

  • Spinnen war die ultimative Ausdrucksform weiblicher Tugend in Rom.

  • Die Technik mit Spindel und Spinnwirtel ermöglichte es, Faden unterschiedlicher Feinheit herzustellen.

  • Die Produktion war ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor innerhalb des Haushalts und des Handels.

  • Das Handwerk war untrennbar mit der Mythologie des Schicksals verbunden.


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