Einführung
Die Rüstung eines Ritters (oder Mannes-at-Arms) sah im Laufe des Mittelalters anders aus. In diesem Blog geben wir dir einen Einblick in die Ausrüstung eines norditalienischen Mannes-at-Arms im frühen fünfzehnten Jahrhundert, um dir bei der Wahl deiner eigenen Zusammenstellung zu helfen.
Im Laufe des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts gab es einen Aufschwung von Söldnerheeren im mittelalterlichen Europa. Söldner waren besser trainiert und ausgerüstet, konnten das ganze Jahr über kämpfen und konnten sich bessere Ausrüstung leisten als traditionelle Heere, die aus temporären, leibeigenen Soldaten bestanden. Sie waren allerdings um einiges teurer und plünderten oft das Land, in dem sie sich aufhielten. Langwierige Konflikte wie der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich wurden zu großen Teilen von teuren Söldnerheeren geführt, die oft einen großen Teil der schweren Infanterie und Männer-at-Arms auf dem Schlachtfeld ausmachten.
Diese neue Form der Kriegsführung sorgte für hohe Kosten, die nur wenige bezahlen konnten. In Italien führte dies zum Aufstieg neuer Stadtstaaten und Republiken, die reich genug waren, um Söldnerheere anzuheuern. Der Aufstieg großer Rivalen wie Venedig und Genua hatte in der späten Vierzehnten Jahrhundert für eine Art Kalten Krieg zwischen zwei großen Allianzen in Norditalien gesorgt. Dieser sollte 1423 in einen heißen Krieg ausbrechen, in Form der Lombardischen Kriege zwischen der Republik Venedig und dem Herzogtum Mailand. Diese Kriege sollten Norditalien in eine Reihe von großen Machtblöcken aufteilen, die aus dem Flickenteppich einzelner Stadtstaaten hervorgingen, der zuvor entstanden war. Das Wettrüsten zwischen den Allianzen, die kämpften, sollte zur Entwicklung der charakteristischen 'Mailänder' Plattenrüstung führen.

Rüstungsentwicklung
Im Übergang zum fünfzehnten Jahrhundert begann Plattenrüstung sich stärker zu entwickeln. Sie konnte nun langsam auch für sich allein, ohne vollständiges Kettenhemd getragen werden. Ein gutes Beispiel für die Entwicklung der Rüstung in dieser Zeit ist die Churburg S18 Rüstung aus dem Schloss Churburg in Norditalien.
Die schwachen Stellen in Rüstungen wurden zunehmend mit artikulierender Plattenrüstung geschützt. Schulterstücke bekamen nun zum Beispiel auch 'Besagews', runde Platten zum Schutz der Achseln. In Norditalien kam langsam 'weiße Rüstung' in Mode, ein Stil, bei dem die Rüstung nicht mehr mit Stoff bedeckt wurde. Diese Art der Rüstungskonstruktion sollte sich später in Frankreich, England und dem Heiligen Römischen Reich durchsetzen.
Die Brustplatte war zu einem Kürass mit Brust- und Rückenplatte geworden. Bewegliche Platten (Faulds) schützten Unterbauch und Hüften. Der Bascinet war zu einem Helm mit integriertem Nackenschutz geworden, wurde aber auch langsam durch frühe 'Armets' ersetzt, Helme mit komplizierter, ausklappbarer Konstruktion, die enger am Kopf anlagen. Panzerhandschuhe entwickelten sich zu einer Form, die immer noch einzelnen Fingerschutz bot, aber mit einer großen Stahlplatte bedeckt war, die über den Knöcheln hing.
Zusammensetzung Fiore
Das Jahr ist 1423 und Fiore ist ein reicher Nord-italienischer Söldner. Er kämpft als Mann-at-Arms unter dem Dogen von Venedig im Krieg zwischen seiner Stadt und Mailand. Seine Waffenausrüstung und Kleidung wurden mit seinem Sold bezahlt und er zeigt gerne auch auf der Straße seinen kriegerischen Charakter. Fiore ist in seiner Karriere als Mann-at-Arms vor allem auf Geld aus, empfindet aber eine gewisse Sympathie für seine Stadt. Das ist aber nicht genug, um sein reiches Söldnergehalt aufzugeben.
NB: Diese Zusammensetzung basiert auf der erwähnten Churburg S18-Rüstung aus der Zeit 1380-1420 im Schloss Churburg in Norditalien. Ähnliche Rüstungen wurden von französischen, burgundischen und englischen Rittern im Hundertjährigen Krieg getragen, wobei sich in dieser Zeit deutlich regionale Stile zu entwickeln begannen.
Outfit
Wenn Fiore nicht seine Waffenausrüstung trägt, folgt er der Mode des frühen fünfzehnten Jahrhunderts. Er trägt einen Überrock oder sein Wappenrock, Braies mit Beinlingen, Spitzschuhe und einen Bycocket als Kopfbedeckung. An seinem Gürtel trägt er eine Tasche und einen Dolch. Außerdem trägt er einen einfachen Bauernring, den er auf dem Schlachtfeld als Glücksbringer gefunden hat.
Hut und Haube
Der Bycocket (auch bekannt als der Huttyp, den Robin Hood trug) war eine beliebte Kopfbedeckung im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert. Diese wurde sowohl mit als auch ohne Haube von Leibeigenen, Bürgern und Adel getragen.

Überrock
Für spezielle Gelegenheiten trägt Fiore einen Überrock in den Wappenfarben seiner Familie. Dieses Kleidungsstück stammte von der Tabard ab, die Ritter in früheren Jahrhunderten über ihrer Rüstung trugen, um sich auf dem Schlachtfeld zu erkennen, wurde aber im vierzehnten und frühen fünfzehnten Jahrhundert auch für sich allein getragen.
Viele Kleidungsstücke in dieser Zeit wurden auch in einem halbiert-farbigen Muster getragen, auch bekannt als Mi-parti. Dieses Überrock-Modell ist in verschiedenen Hälften erhältlich, sodass du deine eigenen Farben mischen und kombinieren kannst.

Unterhemd
Man trug gerne helle Farben, im Gegensatz zu wie diese Zeit oft dargestellt wird. Wenn man es sich leisten konnte, war die Kleidung reich verziert, aber auch ohne Verzierung war Kleidung im Mittelalter sehr teuer. Durch das Tragen eines Unterhemdes wurde dieses nicht so schnell vom Körper verschmutzt und die obere Schicht musste nicht so oft gewaschen werden, was dazu führte, dass sie nicht so schnell verblasste.
Wappenrock
Im fünfzehnten Jahrhundert ging die Mode von langen, fließenden Gewändern zu kurzer, eng anliegender Kleidung über. Männer begannen, Waffenröcke zu tragen, die um die Hüften endeten und Brust und Taille betonten. Vollständige Hosen kamen dadurch immer mehr in Mode.
Ein Gambeson bietet eine Schicht gepolsterte Ausrüstung unter Kettenhemd und Plattenrüstung, wurde aber von armen Soldaten für sich allein getragen. Durch Rüstungsentwicklungen wurden dicke Gambesons für Ritter überflüssig und sie begannen, eine dünnere, leichtere gepolsterte Variante zu tragen, die auch der Mode der Zeit entsprach, den sogenannten Wappenrock. An dieser eng anliegenden Variante des Gambeson konnten Rüstungsteile befestigt werden, die gut am Körper anlagen.
In Italien wurde der Wappenrock sogar als gewöhnliches Kleidungsstück von Bürgern und nicht-militärischem Adel getragen, um einen kriegerischen Eindruck zu machen, vergleichbar mit dem Tragen von Combat Boots oder Kleidung mit Camouflage-Print in unserer heutigen Zeit. Fiore zeigt das gerne und trägt seinen Wappenrock auch im alltäglichen Leben.
Unterbroek mit Beinlingen
Im vierzehnten und frühen fünfzehnten Jahrhundert wurden im Allgemeinen Beinlingen (Chausses) getragen. Diese langen Strümpfe wurden an der Unterbroek (Braies) befestigt und normalerweise unter langen Gewändern getragen.
In dieser Zeit gab es auch langsam eine Umstellung auf vollständige Hosen. Es ist eine persönliche Wahl, ob man Chausses oder eine Hose trägt, aber später im fünfzehnten Jahrhundert würde man nur noch Hosen tragen.
TIPP: Beinlingen und Hosen des fünfzehnten Jahrhunderts sollten eng am Körper anliegen. Im vierzehnten bis sechzehnten Jahrhundert band man sich oft eine Schnur oder ein Lederband unter dem Knie um die Hosen und Beinlingen, um sie fest zu ziehen und besser an den Beinen anzuliegen. Dies ist eine Frage der persönlichen Vorliebe, aber damit fügst du deinem Outfit leicht historische Details hinzu.
Gürtel
Menschen aller Gesellschaftsschichten hängten Beutel und andere Gebrauchsgegenstände an ihren Gürtel. Überlege dir beim Zusammenstellen deines Outfits, was du gerne mit dir nehmen würdest, wenn du im täglichen Leben als R