Schnelle Fakten über das Mesolithikum
Die Periode: Die Mittlere Steinzeit, eine dynamische Übergangsphase zwischen der letzten Eiszeit und dem Aufstieg der Landwirtschaft (ca. 13.000 bis 3500 v.Chr., abhängig von der Region).
Das Große Schmelzen: Der Rückzug der Gletscher verwandelte Europa von einer eiskalten Tundra in einen Kontinent voller dichter Eichen-, Kiefern- und Birkenwälder.
Die Bewohner: Zwei große, genetisch getrennte Gruppen Jäger-Sammler die Europa zurückeroberten: die Westlichen (WHG) und die Östlichen (EHG) Gruppen.
Die Revolution: Erfindung der Mikrolithen—winzige, rasierklingenscharfe Steinchen für fortgeschrittene Harpunen, Speere und Pfeile.
Das Erbe: Die Einführung des 'keramischen Mesolithikums' (Töpferei ohne Landwirtschaft zu betreiben) und die allerersten astronomischen Monumente.

Die Wiederauferstehung des Kontinents
Gegen Ende des Paläolithikums (der Alten Steinzeit) war Europa ein raues, unwirtliches Gefrierhaus. Große Teile des Kontinents lagen unter kilometerdickem Eis begraben. Schätzungen zufolge lebten damals kaum 5.000 bis 130.000 Menschen auf dem gesamten Kontinent, zusammengepfercht in kleinen, bewohnbaren Gebieten im Süden: den sogenannten Refugien.
Um 12.000 v.Chr. schlug das Klima radikal um. Die Eiskappen schmolzen und der Mensch kroch aus seinen Verstecken heraus, um den leeren Kontinent neu zu besiedeln. Dies markiert den Beginn des Mesolithikums, also der Mittleren Steinzeit. In Regionen, wo die Eiszeit weniger hart zugeschlagen hatte, sprechen Archäologen auch vom Epipaläolithikum.
Das Mesolithikum war eine faszinierende Übergangsperiode. Die Megafauna—wie das Wollhaarmammut—starb aus oder zog nach Norden. Die großangelegte Mammutjagd in Gruppen machte Platz für eine verfeinerte, flexible Jagd auf Waldtiere wie Hirsche, Rehe und Wildschweine. Der Mensch passte sich rasend schnell an.

Die Zwei Gesichter des prähistorischen Europas
Dank moderner DNA-Forschung wissen wir, dass das mesolithische Europa von zwei großen Pioniergruppen zurückerobert wurde, deren Siedlungsgebiete sich an einer unsichtbaren Grenze trafen, die von der Donau bis zum westlichen Baltischen Meer verlief.

Die Westlichen Jäger-Sammler (WHG)
Der genetische Bauplan dieser Gruppe ist in der Wissenschaft als der Villabrunacluster bekannt, benannt nach einem einzigartigen Kriegergrab aus ca. 12.000 v.Chr. in Norditalien. Die Wurzeln dieser Gruppe liegen in der paläolithischen Epigravettien-Kultur Italiens und des Balkans.
Um 17.000 v.Chr. zogen sie auf die Iberische Halbinsel, wo sie sich mit lokalen Überresten der Magdalénien-Kultur vermischten—der legendäre Cro-Magnon-Mensch (Europäische Frühmenschen, oder EEG), der bereits seit 30.000 Jahren in Europa lebte. Nach der Eiszeit zog die WHG-Bevölkerung massiv nach Norden und Westen und ersetzte die alte Magdalénien-Bevölkerung vollständig.
Das Aussehen der WHG: Genetische Forschung hat eine spektakuläre Tatsache enthüllt: die Westeuropäischen Jäger-Sammler hatten eine auffällige äußere Kombination aus mediterranem Aussehen mit strahlend blauen Augen. Erst Tausende Jahre später, mit dem Kommen der indoeuropäischen Steppenhirten, würde die europäische Hautfarbe heller werden.
Die Östlichen Jäger-Sammler (EHG)
Östlich der Baltischen Meere und der Donau, sich bis zum Uralgebirge und der Pontisch-Kaspischen Steppe erstreckend, herrschten die Östlichen Jäger-Sammler. Genetisch stammten sie hauptsächlich von den Alten Nordeurasiatern (ANE) aus Sibirien ab, mit einem kleinen Schuss WHG-Blut.
Im Gegensatz zu ihren westlichen Nachbarn hatten die EHG-Menschen vermutlich helle Haut, braune Augen und blondes oder hellbraunes Haar. In Skandinavien trafen beide Gruppen aufeinander: die WHG zog von Süden nach oben, die EHG von Norden. Sie verschmolzen zu einer einzigartigen Hybridgruppe: den Skandinavischen Jäger-Sammlern (SHG).
Viel später, zwischen 5200 und 4000 v.Chr., würde sich die EHG-Gruppe auf den Steppen mit kaukasischen Jäger-Sammlern (CHG) vermischen. Aus diesem genetischen Cocktail entstanden die Westlichen Steppenhirten (WSH)—die direkten Vorläufer der Yamnaya-Kultur, die ab 3500 v.Chr. die indoeuropäischen Sprachen über Europa und Asien verbreiten würde.
Die Materielle Kultur: Mikrolithen und Körbe
Der mesolithische Mensch war ein Meister der Überlebenztechnologie. Da die Jagd sich auf schnelle Waldtiere, Vögel und Fischerei verlagerte, brauchte man leichtere, kompaktere Waffen.
Die Erfindung der Mikrolith
Das Kennzeichen des Mesolithikums ist die Mikrolith: hauchdünne, geometrische Feuersteinstückchen von weniger als 3 Zentimetern Größe. Diese Miniatursteinchen wurden mit Hilfe von natürlichem Leim (wie Birkenpech) nacheinander in hölzerne oder knöcherne Schäfte montiert. So fertigte man rasierklingenscharfe Harpunen, gezähnte Speere und die allerersten High-Tech-Pfeile für den Jagdbogen. Nur in isolierten Gebieten wie Irland und den Tyrrhenischen Inseln hielt man an groben, großen Steinwerkzeugen fest (makrolithische Technologie). Darüber hinaus fertigte man feuersteinerne Schaftäxte und Dolche mit Griffen aus organischem Material.
Architektur und Astronomie
Obwohl sie nomadisch foragierten, hinterließen diese Menschen beeindruckende Spuren. Sie bauten nicht nur vorübergehende Windschirme und Hütten, sondern auch halbpermanente Wohnungen mit Böden aus Baumstämmen und Birkenbast. In Nordeuropa und Skandinavien wurden vollständige Grubenhäuser gefunden, wie das schwedische Tingby-Haus und die norwegischen gressbakken-Häuser.
Sogar die frühesten rituellen Grundlagen von Konstruktionen wie Stonehenge in England und Warren Field in Schottland wurden in dieser Zeit von Jäger-Sammlern errichtet, lange bevor es Landwirtschaft gab. Es beweist, dass sie bereits ein tiefes astronomisches Verständnis für Sonnen- und Mondstände hatten.
Kleidung, Flechtwerk und Kunst
Echte gewebte Textilkleidung gab es noch nicht; man kleidete sich in sorgfältig präparierten Tierfellen und Pelz. Doch waren sie meisterhafte Korbflechter. In der spanischen Höhle Cueva de los Murciélagos (ca. 8000 v.Chr.) wurden wunderbar schöne Körbe und Schuhe gefunden, aus geflochtenem Gras und jungen Zweigen gefertigt, manchmal sogar mit natürlichen Farbstoffen verziert.
Die Kunst aus dieser Zeit ist selten, aber dynamisch: Felszeichnungen in Spanien und dem Ural zeigen rennende Menschen in ausdrucksstarken Posen, und es wurden wunderbare kleine Tierskulpturen gefunden, wie der berühmte Holzelchskopf von Huittinen.
Das 'Keramische Mesolithikum': Töpferei ohne Bauern
Einer der hartnäckigsten Mythen in der Archäologie ist, dass Töpferei von Bauern erfunden wurde. Das Mesolithikum beweist das Gegenteil. Zwischen 9500 und 7500 v.Chr. entstand in Nordosteuropa und Sibirien das Keramische Mesolithikum.
Jäger-Sammler um den Baikalsee in Sibirien entdeckten, wie man Ton brennen musste, um Lebensmittel und Fischöl zu lagern. Diese Technologie verbreitete sich rasend schnell von Ost nach West über Netzwerke von Jäger-Sammlern, völlig unabhängig von der Landwirtschaft. Verschiedene große mesolithische Kulturen führten dabei den Ton an:
Die Dnepr-Donez-Kultur (Ukraine & Russland): Fertigten charakteristische Keramik mit spitzen oder knopfförmigen Böden und ausladenden Rändern.
Die Narva-Kultur (Baltische