Es ist genau 600 Jahre her, im Juli 1423. Spät im Hundertjährigen Krieg. Wir werfen einen Blick auf die Kleidung und Waffenausrüstung von Llywelyn, einem walisischen Bogenschützen in der englischen Armee. Die Engländer sind auf dem Weg zur burgundischen Stadt Cravant, um ihre Verbündeten gegen eine französisch-schottische Invasion zu unterstützen.
Der abenteuerlustige Llywelyn wurde als Kind von den Abenteuern von Robin Hood inspiriert, die von reisenden Schauspielern aus England aufgeführt wurden. Sein ganzes Leben lang trainierte er mit einem Bogen, von sonntaglichen Schießübungen bis zum heimlichen Jagen im Wald seines Herrn. Bevor er Bogenschütze wurde, arbeitete Llywelyn als Geselle bei einem Meister der Schmiedsgilde in seiner Stadt. Sein rebellisches Naturell führte zu einem großen Streit mit seinem Zunftmeister, woraufhin er sich anmeldete, um in Frankreich zu kämpfen.
Die Schlacht um Cravant
Der Hundertjährige Krieg war ein langer Konflikt zwischen England und Frankreich um die französische Krone. Mit zeitweiligen Pausen dazwischen dauerte der Krieg 116 Jahre. Nachdem es den Engländern gelungen war, große Teile Frankreichs zu erobern, war der Krieg wieder zeitweilig zur Ruhe gekommen. Der französische Dauphin (Kronprinz) war 1420 sogar gezwungen, seinen Anspruch auf den französischen Thron aufzugeben. Aber als der englische König plötzlich starb, sah der Dauphin die Chance, sein Land zurückzuerobern.
Die Franzosen und Schotten bereiteten eine Invasion des englischen Verbündeten Burgund vor, während die englische Königin zu Hause fieberhaft versuchte, eine Armee aufzustellen. Ihr gelang es schließlich, eine Kriegstruppe von nur 2500 Mann nach Frankreich zu entsenden, die das kleine Städtchen Cravant gegen eine Belagerung von mehr als 8000 Franzosen und Schotten verteidigen sollte.
Als die Engländer bei Cravant eintrafen, war klar, dass sie stark in der Minderheit waren. Selbst mit einer großen Anzahl burgundischer Hilfstruppen, die sie unterwegs aufgegriffen hatten, war das französisch-schottische Heer dreimal so groß. Es hatte sich bei einer kleinen Brücke über einen Fluss zwischen den Engländern und der Stadt verschanzt. Da beide Seiten sich nicht über die Brücke wagten, befahl man den Bogenschützen, auf das feindliche Flussufer zu schießen. Die Engländer gewannen diesen Fernkampf, woraufhin die Verteidigung ihrer Gegner zu zerfallen begann.
Unter Deckung der Langbogenschützen ergreifen die Engländer ihre Chance und überqueren den Fluss. Im selben Moment marschieren die belagerten Burgunder aus der Stadt in den Kampf, direkt hinter den feindlichen Linien. Die Franzosen geraten in Panik und hauen ab, während ihre schottischen Verbündeten verwirrt am Ufer zurückbleiben. Die Schotten sind nun selbst in der Minderheit und haben wenig Chancen gegen die Engländer und Burgunder, die gegen alle Erwartungen gewonnen haben.
Grundausstattung
Dies ist die Grundausstattung von Llywelyn, die er zu Hause in Wales oder in seiner Freizeit trägt. Sein Outfit besteht aus einem Wams, einem Gürtel, Beinlingen, einem Chaperon und einem Paar Schnabelschuhen.
Wams aus dem Hundertjährigen Krieg
Das Wams war das Basiskledungsstück für Männer während des gesamten Mittelalters. Es wurde das ganze Jahr über getragen und kam in vielen Stilen vor. Im fünfzehnten Jahrhundert waren europäische Wamser hauptsächlich aus Wolle und Leinen gefertigt, je nach Wetter. Baumwolle wuchs nicht in Nordeuropa, war aber durch den Handel mit dem heutigen Italien und Spanien erhältlich.
Gürtel
Der Gürtel sorgte sowohl bei Männern als auch bei Frauen dafür, dass lange, fließende Kleidungsstücke (wie Wamser und Röcke) besser am Körper anlagen. Gürtel waren auch eine Möglichkeit, seinen Status zu zeigen, nicht nur durch schöne Beschläge und Verzierungen, sondern auch durch die Länge des Gürtels, der locker herunterhing; das signalisierte, wie viel Geld man übrig hatte, um in zusätzliches Leder auszugeben!

Beinlingen
Beinlingen (Chausses) waren ein beliebtes Kleidungsstück für Männer im späten Mittelalter. Es waren eine Art lange Socken, die mit Schnüren an der Untergarderobe (Braies) befestigt wurden. Der Adel und wohlhabende Bürger trugen ihre prächtig verzierten Beinlingen oft in verschiedenen Farben (mi parti). Unser Llewelyn ist nicht wohlhabend genug für diese hippe Mode, daher trägt er ein Paar einfarbige rote Beinlingen.
Chaperon
Der Chaperon war ein wichtiges Kleidungsstück während des gesamten Mittelalters, das den Kopf sauber und trocken hielt und von allen sozialen Schichten getragen wurde. Der Adel, Kaufleute und andere wohlhabende Bürger trugen den Chaperon "verkehrt herum", wie eine Art Turban.
Schnabelschuhe
Wendeschuhe mit langen Spitzen (sehr kreativ "Schnabelschuhe" genannt) waren zur Zeit von Llywelyn ein Symbol des Wohlstands. Um diese Schuhform zu betonen, wurde die Spitze des Schuhs oft sogar mit Moos oder Tierhaar ausgestopft!
Waffen- und Rüstung
Die vollständige Ausrüstung von Llywelyn besteht aus einem Gambeson, einem Sallet mit Bevor, einem Kettenhemdkragen und einem Paar Halbhandschuhen. Damit sind sein Oberkörper und Kopf gut geschützt, aber seine Arme haben genug Bewegungsfreiheit zum effektiven Bogenschießen. Als Waffen hat er einen Langbogen, einen Kriegshammer und einen Buckler.
Je nach Rolle (und Budget) eines Soldaten hatte dieser eine unterschiedliche Rüstungs- und Waffenausrüstung.

Gambeson / Wams
Das Wams war die Grundlage der Rüstung jedes mittelalterlichen Soldaten, vom Rekruten bis zum Ritter. Es konnte allein als Schutz verwendet werden, wurde aber auch unter Kettenhemden und Rüstungen getragen.
Eine Variante des Wams, das sogenannte Armierungsdoublet, hatte spezielle Schnüre zum Befestigen von Plattenpanzern. Obwohl es ein militärisches Kleidungsstück war, trugen gewöhnliche Bürger in einigen Teilen Europas (besonders Italien) auch dieses Kleidungsstück, weil es Kampferfahrung und Ritterlichkeit vermittelte.
Kettenhemdkragen
Llywelyn trägt einen Kettenhemdkragen , der seinen Hals, Schultern und die Brust schützt. Ein vollständiges Kettenhemd könnte er sich nicht leisten, und es würde ihn nur beim Bogenschießen behindern.
Sallet und Bevor
Der Sallet war ein Helm, der von der Mitte bis zum Ende des 15. Jahrhunderts sowohl von gewöhnlichen Soldaten als auch von Rittern getragen wurde, mit oder ohne Visier. Das Visier reichte oft nicht bis zum Kinn, was den Vorteil hatte, dass der Träger besser atmen konnte.
Der Sallet wurde oft in Kombination mit dem Bevor, einem stählernen Nackenschutz, der weit über das Kinn reichte, getragen. So war der ganze Kopf geschützt.
Halbhandschuhe
Halbhandschuhe oder "Demi-Gauntlets" waren eine beliebte Form des stählernen Handschutzes im 15. Jahrhundert. Sie waren viel einfacher und günstiger herzustellen als vollständige Stahlhandschuhe und boten mehr Bewegungsfreiheit für die Finger.
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