Das 17. Jahrhundert brachte große Veränderungen mit sich. Religiöse Konflikte und wissenschaftliche Entdeckungen fanden ihren Weg in den Kleiderschrank. Während die frühe 17. Jahrhundert noch von der steifen spanischen Mode dominiert wurde, sahen wir nach 1650 den Aufstieg des lockeren, üppigen französischen Stils.

Ein sich Veränderndes Weltbild
- Handel & Material: Durch neue Handelsrouten wurde Baumwolle aus Indien für die Elite zugänglicher, obwohl Wolle und Leinen das Rückgrat der europäischen Tracht blieben.
- Religiöse Signatur: Kleidung war eine direkte Verlängerung des eigenen Glaubens. Die Nüchternheit der Reformierten (oft schwarz mit weißem Leinen) stand in scharfem Kontrast zur farbenfrohen Seide der katholischen Aristokratie.

Oberkörper: Vom Wams zum Justacorps
Im Laufe des 17. Jahrhunderts erlebte der Oberkörper eine wahre Metamorphose.
- Der Wams & die Jerkin: In der frühen 17. Jahrhundert blieb der Wams beliebt, oft mit einer ärmellosen Lederjerkin (Weste) darüber für zusätzlichen Schutz und Status.
- Der Justacorps: Um 1660 erschien der Justacorps: ein langer, taillierter Überrock, der bis zu den Knien reichte. Dieses Kleidungsstück ist der direkte Vorläufer des modernen Sakkos.
- Das Piratenhemd: Für Seeleute und Arbeiter war ein weites, leinenes Hemd essentiell. Es bot Bewegungsfreiheit und war in den Tropen kühl.

Accessoires & Kopfbedeckung: Die Kraft des Randes
In dieser Zeit wurde der Hut ein unverzichtbares Statussymbol, besonders für Militärs und Bürger von Stand.
- Der Breitrandige Hut: Der ikonische Hut der Musketiere und Freibeuter. Diese Filz- oder Lederhüte hatten einen breiten Rand, oft auf einer Seite umgeschlagen und mit Straußenfedern verziert.
- Der Mühlsteinkragen vs. der Fliegende Kragen: Die steifen, runden Kragen aus dem späten 16. Jahrhundert wichen nach 1630 weicheren, flachen Spitzenkragen, die über die Schultern fielen.
- Perücken & Gesichtsbehang: Während die frühe 17. Jahrhundert die Zeit der Spitzbärte und Schnurrbärte war, verschwand Gesichtsbehang am Ende des Jahrhunderts fast vollständig zugunsten der gigantischen Allongefrisur.

Beine & Füße: Puffhosen und Absätze
- Die Evolution der Hose: Puffhosen wurden im Laufe des Jahrhunderts weniger extrem und entwickelten sich zur Culotte: eine Kniehose, die mit Strümpfen getragen wurde.
- Hohe Absätze & Stiefel: Hohe Absätze waren im 17. Jahrhundert das ultimative Symbol für Männlichkeit und Status. Musketetierstiefel mit großen Schäften schützten die Beine beim Reiten.

Bewaffnung als Mode: Der Degen
Kein Outfit war ohne eine Waffe vollständig. Der Degen, getragen an einem reich verzierten Bandelier (Schultergurt), war das Zeichen eines Herrn.
- Bandelier: Ein breiter Ledergurt über der Schulter, um das Gewicht des Degens zu tragen.
- Zivile Waffen: Für die unteren Klassen waren Kleidermesser und Kappmesser für den täglichen Gebrauch und die Selbstverteidigung üblicher.

Tipps für deinen Look aus dem 17. Jahrhundert
- Spiel mit dem Kragen: Der Übergang von einem steifen Kragen zu einem weichen Spitzenkragen bestimmt direkt, ob dein Outfit "früh" oder "spät" 17. Jahrhundert aussieht.
- Gürtel: Im 17. Jahrhundert wurden Gürtel breiter. Ein robuster Piraten- oder Schulterbandelier gibt sofort diesen robusten Charakter.
- Kopfbedeckung: Ein Seemann ist nicht vollständig ohne Mütze oder Kopftuch, während ein Musketier niemals seinen gefiederten Hut vergessen würde.