Männermode im Späten Mittelalter (1300-1420)

Das 14. Jahrhundert war eine Zeit der Extreme: der Hundertjährige Krieg, die Blüte der Ritterlichkeit und die tragischen Auswirkungen des Schwarzen Todes. Diese Periode markiert einen Wendepunkt in der Modegeschichte. Während Kleidung zuvor locker und fließend war, entstand nun eine Vorliebe für enge Schnitte, die die menschliche Silhouette betonten.


In diesem Leitfaden tauchen wir tief in die Garderobe des Mannes des 14. Jahrhunderts ein, von der elitären Cotehardie bis zu den praktischen Bruche der arbeitenden Bevölkerung.

Mann des 14. Jahrhunderts in historischer Unterkleidung mit Hose nach der Mode des späten Mittelalters.

Mode in Perspektive: Status, Pest und Gesetzgebung


Im 14. Jahrhundert war Kleidung ein direktes Kommunikationsmittel für sozialen Status. Nach dem Schwarzen Tod entstand ein Arbeitskräftemangel, wodurch Handwerker mehr verdienten und sich plötzlich Luxus leisten konnten.

  • Luxusgesetze: Um die Hierarchie zu schützen, führten Könige strikte Gesetze ein. In England und Frankreich wurde die Trennung zwischen Adel und Bürgertum hart durchgesetzt. In den Niederlanden und Italien waren diese Gesetze lokaler; wohlhabende Bürger betrachteten Geldstrafen für das Tragen von Seide oder Fell oft einfach als eine „Luxussteuer".
  • Materialien: Wolle und Leinen blieben der Standard. Für die Elite gab es exotische Stoffe wie brokat und Seide. Eine erschwingliche Alternative für Dekoration war Blockdruck, eine Technik aus dem islamischen Spanien.
Ritter des 14. Jahrhunderts in einem Wams mit einem Oakeshott-Schwert Typ XV und historischer Ausrüstung.

Das Fundament: Unterkleidung


Unterkleidung war essentiell, um teure, gefärbte Oberkleidung vor Körperschmutz zu schützen. Sie wurde aus Leinen hergestellt, das leicht gewaschen werden konnte.

  • Bruche: Die Leinen-Unterhose, die bis zum Knie reichte. Daran wurden die lockeren Beinhosen (Chausses) befestigt.
  • Untertunika: Ein Leinengewand mit langen Ärmeln. Bei Männern war dies oft kürzer als bei Frauen, um einen geschichteten Effekt unter der Oberkleidung zu schaffen.
Mann des 14. Jahrhunderts in historischer Unterkleidung mit Hose nach der Mode des späten Mittelalters.

Der Adel und die wohlhabende Bürgerschicht: Die neue Silhouette


In der frühen 14. Jahrhundert blieb die Tunika dominant, aber allmählich änderte sich die Passform drastisch.

Aristokrat des 14. Jahrhunderts, gekleidet in einem Wams mit einer Houpelande nach spätmittelalterlicher Mode.

Cotehardie und Pourpoint


Die Cotehardie (oder Kittel) war ein eng anliegendes Kleidungsstück, das die Taille und Schultern mit Schnüren oder Knöpfen betonte. Das Pourpoint war ursprünglich ein militärisches Wams (Teil der Rüstung), wurde aber als ziviles Modeitem getragen, um einen ritterlichen Charakter zu zeigen – vergleichbar mit dem Tragen von Kampfstiefeln heute.

Mann des 14. Jahrhunderts in einem Wams mit einer historischen Kappe aus dem späten Mittelalter.

Die Houpelande und Mäntel


In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erschien die Houpelande: ein sehr formelles, weites Übergewand mit oft beeindruckenden Glockenmärmeln. Mäntel wurden über die linke Seite getragen, damit der rechte Arm (der Schwertarm) frei blieb.

Bürger des 14. Jahrhunderts gekleidet in einer Houpelande mit einer historischen Kappe.

Der Rittergürtel und Riemen


Ritter und Knappen trugen einen Rittergürtel: einen reich verzierten Hüftgürtel mit heraldischen Motiven. Bürger trugen lange Ledergürtel (2-4 cm), deren Ende lang nach unten hing.

Frau des 14. Jahrhunderts neben einem Mann in einer Churburg-Typ-Rüstung, gekleidet in historischer Kleidung.

Kopfbedeckung und Schuhwerk


Die Bycocket und die Kaproen


Die Bycocket (der 'Robin-Hood-Hut') war bei allen Klassen beliebt. Die Kaproen durchlief eine Transformation: Man begann, diese umzustülpen und auf den Kopf zu rollen wie einen Turban, oft verziert mit Federn und Spangen.

Reisender des 14. Jahrhunderts mit Mantel und Bycocket nach spätmittelalterlicher Mode.

Poulaines (Spitzschuhe)


Schuhe wurden immer spitzer als Symbol der Männlichkeit. Diese Poulaines wurden durch hölzerne Trippen vor Straßenschmutz geschützt.

Historische Spitzschuhe und Trippen aus dem späten Mittelalter als mittelalterliches Schuhwerk.

5. Bauern, Bürger und Diener

Mittelalterlicher Bauer gekleidet in einer einfachen Tunika mit einer Kaproen.

Tuniken und Mi-parti


Die Tunika des arbeitenden Mannes reichte bis über das Knie für Bewegungsfreiheit. Ein auffallender Trend war der Mi-parti-Stil: Kleidung, die vertikal in zwei Farben unterteilt war, oft die heraldischen Farben ihres Herrn.


Praktische Accessoires


Bauern trugen Kappen, um Haare und Schweiß aus dem Gesicht zu halten. Für Reisen und Landarbeit waren Filzhüte oder Strohhüte essentiell.

Bauer des späten Mittelalters mit einer einfachen historischen Kappe und praktischer Kleidung.

Schmuck und Pilgerbadges


Schmuck war oft religiös (Kreuzzugsanhänger) oder funktional (Siegelringe). Ein einzigartiges Phänomen des 14. Jahrhunderts waren die Pilgerbadges. Diese Zinn-Nadeln waren Souvenirs von heiligen Stätten, aber es gab auch satirische Badges (wie ein „Schwein mit Dudelsack"), die während des Karnevals getragen wurden.


Interne Links


Weitere Lektüre & Quellen

  • Manuscript Miniatures: Datenbank für Abbildungen bis 1450. .
  • Fashion in the Middle Ages – Margaret

Maak het verschil, doneer nu!

Lees onze nieuwste blogs!