Das 14. Jahrhundert war eine Zeit der Extreme: der Hundertjährige Krieg, die Blüte der Ritterlichkeit und die tragischen Auswirkungen des Schwarzen Todes. Diese Periode markiert einen Wendepunkt in der Modegeschichte. Während Kleidung zuvor locker und fließend war, entstand nun eine Vorliebe für enge Schnitte, die die menschliche Silhouette betonten.
In diesem Leitfaden tauchen wir tief in die Garderobe des Mannes des 14. Jahrhunderts ein, von der elitären Cotehardie bis zu den praktischen Bruche der arbeitenden Bevölkerung.

Mode in Perspektive: Status, Pest und Gesetzgebung
Im 14. Jahrhundert war Kleidung ein direktes Kommunikationsmittel für sozialen Status. Nach dem Schwarzen Tod entstand ein Arbeitskräftemangel, wodurch Handwerker mehr verdienten und sich plötzlich Luxus leisten konnten.
- Luxusgesetze: Um die Hierarchie zu schützen, führten Könige strikte Gesetze ein. In England und Frankreich wurde die Trennung zwischen Adel und Bürgertum hart durchgesetzt. In den Niederlanden und Italien waren diese Gesetze lokaler; wohlhabende Bürger betrachteten Geldstrafen für das Tragen von Seide oder Fell oft einfach als eine „Luxussteuer".
- Materialien: Wolle und Leinen blieben der Standard. Für die Elite gab es exotische Stoffe wie brokat und Seide. Eine erschwingliche Alternative für Dekoration war Blockdruck, eine Technik aus dem islamischen Spanien.

Das Fundament: Unterkleidung
Unterkleidung war essentiell, um teure, gefärbte Oberkleidung vor Körperschmutz zu schützen. Sie wurde aus Leinen hergestellt, das leicht gewaschen werden konnte.
- Bruche: Die Leinen-Unterhose, die bis zum Knie reichte. Daran wurden die lockeren Beinhosen (Chausses) befestigt.
- Untertunika: Ein Leinengewand mit langen Ärmeln. Bei Männern war dies oft kürzer als bei Frauen, um einen geschichteten Effekt unter der Oberkleidung zu schaffen.

Der Adel und die wohlhabende Bürgerschicht: Die neue Silhouette
In der frühen 14. Jahrhundert blieb die Tunika dominant, aber allmählich änderte sich die Passform drastisch.

Cotehardie und Pourpoint
Die Cotehardie (oder Kittel) war ein eng anliegendes Kleidungsstück, das die Taille und Schultern mit Schnüren oder Knöpfen betonte. Das Pourpoint war ursprünglich ein militärisches Wams (Teil der Rüstung), wurde aber als ziviles Modeitem getragen, um einen ritterlichen Charakter zu zeigen – vergleichbar mit dem Tragen von Kampfstiefeln heute.

Die Houpelande und Mäntel
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erschien die Houpelande: ein sehr formelles, weites Übergewand mit oft beeindruckenden Glockenmärmeln. Mäntel wurden über die linke Seite getragen, damit der rechte Arm (der Schwertarm) frei blieb.

Der Rittergürtel und Riemen
Ritter und Knappen trugen einen Rittergürtel: einen reich verzierten Hüftgürtel mit heraldischen Motiven. Bürger trugen lange Ledergürtel (2-4 cm), deren Ende lang nach unten hing.

Kopfbedeckung und Schuhwerk
Die Bycocket und die Kaproen
Die Bycocket (der 'Robin-Hood-Hut') war bei allen Klassen beliebt. Die Kaproen durchlief eine Transformation: Man begann, diese umzustülpen und auf den Kopf zu rollen wie einen Turban, oft verziert mit Federn und Spangen.

Poulaines (Spitzschuhe)
Schuhe wurden immer spitzer als Symbol der Männlichkeit. Diese Poulaines wurden durch hölzerne Trippen vor Straßenschmutz geschützt.

5. Bauern, Bürger und Diener

Tuniken und Mi-parti
Die Tunika des arbeitenden Mannes reichte bis über das Knie für Bewegungsfreiheit. Ein auffallender Trend war der Mi-parti-Stil: Kleidung, die vertikal in zwei Farben unterteilt war, oft die heraldischen Farben ihres Herrn.
Praktische Accessoires
Bauern trugen Kappen, um Haare und Schweiß aus dem Gesicht zu halten. Für Reisen und Landarbeit waren Filzhüte oder Strohhüte essentiell.

Schmuck und Pilgerbadges
Schmuck war oft religiös (Kreuzzugsanhänger) oder funktional (Siegelringe). Ein einzigartiges Phänomen des 14. Jahrhunderts waren die Pilgerbadges. Diese Zinn-Nadeln waren Souvenirs von heiligen Stätten, aber es gab auch satirische Badges (wie ein „Schwein mit Dudelsack"), die während des Karnevals getragen wurden.
Interne Links
- Männliche Mode im Hochmittelalter (1066-1300)
- Männliche Mode: Spätes Mittelalter & Frühe Renaissance (1420-1500)
- Weibliche Mode im späten Mittelalter (1300-1420): Revolution der Silhouette
- Doublet: eng anliegende Herrenjacke 14.–17. Jahrhundert
Weitere Lektüre & Quellen
- Manuscript Miniatures: Datenbank für Abbildungen bis 1450. .
- Fashion in the Middle Ages – Margaret